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FAQs

Häufig gestellt Fragen und unsere Antworten (FAQs)

Post-COVID in Deutschland

Folgende Angaben können aktuell auf der Homepage des RKI nennt eingesehen werden:

  • Ärztlich dokumentiertes Post-COVID: Im 1. Quartal 2025 wurden in Deutschland 220.366 Post-COVID-Fälle in den GKV-Abrechnungsdaten erfasst. Das entspricht einer Behandlungsprävalenz von 0,3 % der GKV-Versicherten. 

  • Der bisherige Höchststand lag im 2. Quartal 2022 bei rund 371.700 Fällen bzw. 0,5 % der GKV-Versicherten. Seitdem ist die Zahl der ärztlich dokumentierten Fälle zurückgegangen. 

  • Bezogen auf Personen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, wurden während der 2. und 3. Pandemiewelle (Q4 2020–Q3 2021) bei 8,7 % der vertragsärztlich versorgten COVID-19-Patientinnen und -Patienten ein Post-COVID-Zustand dokumentiert. Bezogen auf alle damals gemeldeten COVID-19-Fälle waren es 7,6 %. 

  • Das RKI weist ausdrücklich darauf hin, dass die Abrechnungsdaten nicht alle Betroffenen erfassen. Menschen mit Beschwerden, die keine ärztliche Behandlung suchen oder bei denen keine entsprechende Diagnose kodiert wird, fehlen. Die tatsächliche Prävalenz kann daher höher sein. 

Das RKI gibt daneben für Long/Post-COVID insgesamt eine Größenordnung von etwa 6–15 % der SARS-CoV-2-Infizierten an. Diese Zahl ist aber nicht dasselbe wie die 0,3 % Bevölkerungsprävalenz, weil es sich um unterschiedliche Definitionen und Bezugsgrößen handelt. 

ME/CFS in Deutschland

Hier ist die Situation schwieriger: Das RKI nennt derzeit keine belastbare aktuelle Gesamtprävalenz bzw. Gesamtzahl aller Menschen mit ME/CFS in Deutschland, die mit der oben genannten Post-COVID-Zahl unmittelbar vergleichbar wäre.

Das RKI bestätigt jedoch mehrere wichtige Punkte:

  • ME/CFS kann nach COVID-19, aber auch nach anderen Infektionen auftreten und ist nicht mit Post-COVID gleichzusetzen. 

  • Deutsche GKV-Daten zeigen nach COVID-19 ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für eine neu diagnostizierte ME/CFS gegenüber nicht infizierten Vergleichspersonen. 

  • Wie viele Menschen insgesamt in Deutschland tatsächlich ME/CFS haben, lässt sich aus diesen Daten nicht direkt ableiten, unter anderem wegen Unterdiagnostik und unterschiedlicher diagnostischer Kriterien. Das RKI weist außerdem darauf hin, dass besonders schwer Betroffene in Bevölkerungsstudien eher unterrepräsentiert sind.

Das Zentrum wurde am 22. November 2022 ins Leben gerufen. Das Ziel ist die multidisziplinäre Diagnostik bei Patient:innen mit anhaltenden Beschwerden nach einem Covid-19 Infekt durchzuführen und Patienten über notwendige diagnostische Schritte aufzuklären, die der Hausarzt noch ergänzen kann. Dabei sollen die Möglichkeiten der Universitätsmedizin genutzt werden, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Umfeld so schnell wie möglich den Patient:innen zur Verfügung zu stellen. 

Die Patient:innen sollen dem Zentrum durch ihre Hausärzte/Hausärztinnen vorgestellt werden, damit auch deren diagnostische Vorbefunde und Überlegungen sofort einbezogen werden können. Nach der Diagnostik wird in einem ausführlichen Befundbericht an die Hausärzte/Hausärztinnen und die Patient:innen berichtet, welche Krankheitsbilder noch ausgeschlossen werden sollen. Den Hausärzten/Hausärztinnen und den Patient:innen werden Empfehlungen, orientiert an dem Therapiekompass des Gesundheitsministeriums und des BfaR, auch als off-label Liste benannt, schriftlich mitgeteilt.

Am Zentrum arbeiten die Abteilungen für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Abteilung für Rheumatologie und Immunologie sowie die Abteilung für Augenkrankheiten zusammen und sind in die Diagnostik einbezogen. 

Durch Studien, die ab 2024 durch den Innovationsfonds und durch das Bundesgesundheitsministerium gefördert wurden, bestehen darüber hinaus wissenschaftliche Kooperationen mit den Universitätskliniken Ulm, Hamburg-Eppendorf und der Charité. Eine regelmäßige Fallkonferenz, der Post-COVID-Board, der allen Hausärzten/Hausärztinnen und Abteilungen zur Verfügung steht, wurde in diesem Rahmen etabliert 

Die Ziele der geförderten Studien können hier eingesehen werden:

  • EMOPROM: Einsatz standardisierter Erhebungsinstrumente im Long-COVID-Netzwerk

  • IDV-Post-COVID: Interdisziplinäre Versorgung bei Post-COVID

Durchsicht und Beurteilung der Vorbefunde: Eine Wichtige Arbeit, bevor die Patient:innen in das Zentrum kommen, ist die Durchsicht und Beurteilung der vorhandenen Befunde.

Internistisch-allgemeinmedizinische Untersuchung: Hier geht es um die Erhebung der ausführlichen Krankengeschichte und die sogenannte Ausschlussdiagnostik. Ausschlussdiagnostik bedeutet, dass überlegt wird, ob für die benannten Beschwerden des Patienten/ der Patientin bestimmte Krankheitsbilder (z.B. Blutarmut oder Schilddrüsenunterfunktion bei der Fatigue) die Ursache sein könnten und ob diesbezüglich noch Untersuchungen sinnvoll wären.

Rheumatologisch-infektiologische Untersuchung: Nach unserem heutigen Informationsstand sind die immunologischen Reaktionen des Körpers gegen das COVID-19-Virus für viele Beschwerden der Patient:innen zuständig. Diese Beschwerden wie Schmerzen, Gelenkbeschwerden, orthostatische Beschwerden, die mit dem Kreislauf zu tun haben, könnten aber auch durch bestimmte immunologische und rheumatologische Erkrankungen verursacht werden, die ggf. rheumatologisch behandelt werden können. Prof. Rech aus der Immunologie untersucht die Patientenbefunde und Ihre Beschwerden aus dieser Perspektive.

Psychosomatische Untersuchung: Hierbei geht es darum herauszufinden, ob die Patient:innen neben dem Post-COVID-Syndrom auch psychische Beschwerden haben. Bei chronischen körperlichen Erkrankungen, z.B. bei Herzkrankheiten, Diabetes oder nach einer Transplantation sind bei 20 bis 30 % der Betroffenen zusätzliche psychische Probleme bekannt. Wenn psychische Belastungen vom Krankheitswert, wie z.B. depressive Syndrome festgestellt werden, wird den Patient:innen eine psychosomatische Behandlung empfohlen. Diese kann bei hoher Symptomausprägung stationär auf unserer psychosomatischen Station stattfinden. Unsere störungsbezogene psychosomatische Therapie führt, wie wir in einer Studie festgestellt haben, zur Symptombesserung bei depressiven Beschwerden sowie zur Verbesserung der psychischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität, des sozialen Funktionierens und der allgemeinen Patientenkompetenz. Weitere Informationen zum Konzept dieser Behandlung finden Sie hier.

Neuropsychologische Testung: Die neuropsychologische Testung bezieht sich auf Verluste von leistungsrelevanten Funktionen des Gehirns. Teilleistungsbereiche wie Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis, Wortproduktion werden untersucht. Dabei wird eine face to face Testung von einer Psychologin durchgeführt. Die Testung kann manchmal auch in einem sozialmedizinischen Projekt eine wichtige objektive Messung darstellen. Im Rahmen der laufenden wissenschaftlichen Studien werden ein Teil unserer Patient:innen bezüglich kognitiver Fähigkeiten nachuntersucht, d.h. getestet, so dass wir Informationen über den Verlauf der Erkrankung gewinnen können. Die Auswahl der adäquaten Tests wurde durch unsere Studien bestimmt (Morawa et al., 2023; Hanc et al, 2026).

Wurde die Diagnose einer leichten kognitiven Störung aufgrund der Testung gestellt, kann eine App, die die Krankenkasse bezahlt, verschrieben werden. Viele Patient:innen nutzen die App regelmäßig und sind mit den Ergebnissen zufrieden. 

Im Rahmen unserer Forschungsprojekte am Post-COVID-Zentrum werden standardisierte Online-Fragebögen eingesetzt, um Beschwerden und Einschränkungen aus Sicht der Patient:innen strukturiert zu erfassen. Untersucht werden unter anderem Lebensqualität, Post-COVID-Symptome, Fatigue, Post-Exertionelle Malaise (PEM), Schlaf, depressive und Angstsymptome sowie körperliche Beschwerden. Ergänzend werden neurokognitive Funktionen mit standardisierten Testverfahren untersucht.

Bei der Auswahl der Fragebögen wurde darauf geachtet, wissenschaftlich geprüfte und für die jeweiligen Beschwerden geeignete Instrumente einzusetzen. Berücksichtigt wurden unter anderem ihre wissenschaftliche Qualität, klinische Relevanz, Verständlichkeit und Bearbeitungsdauer sowie die Verfügbarkeit validierter deutscher Versionen. Im Rahmen des Forschungsprojekts EMOPROM wurde die Auswahl geeigneter Messinstrumente zusätzlich in einem interdisziplinären Expertengremium systematisch überprüft und harmonisiert. Dieser Auswahl- und Harmonisierungsprozess wurde auch wissenschaftlich veröffentlicht (Hanc et al. 2026).

Die Fatigue stellt die häufigste körperliche Beschwerde beim Post-COVID-Syndrom dar. Nahezu alle (92%) unsere Patient:innen zeigen klinisch bedeutsame Ausprägungen der Fatigue-Symptome (Hanc et al., 2026).

Zu den häufigsten psychischen Beschwerden beim Post-COVID-Syndrom gehören depressive Symptome. Fast zwei Drittel (65%) unserer Patient:innen weisen klinisch bedeutsame Ausprägungen depressiver Symptome auf (Hanc et al., 2026).

Derzeit werden am Post-COVID-Zentrum Erlangen zwei drittmittelgeförderte Studien durchgeführt: „IDV“ und „EMOPROM“. Weitere Informationen zu den Projekten finden Sie hier.

Diese Studien zeigen die Ausprägung der Beschwerden, den Beeinträchtigungsgrad und den Verlauf der Erkrankung. Damit tragen sie dazu bei, das Krankheitsbild zu charakterisieren und besser zu verstehen. Darüber hinaus wird in den Studien erforscht, wie viele ökonomische Ressourcen für eine gute Diagnostik notwendig sind. Aktuell werden Referenzwerte entwickelt, die bei der sozialmedizinischen Beurteilung hilfreich sein können. 

Der GBA-Empfehlung folgend sollenBehandlungen durch den Hausarzt initiiert werden. Empfehlungen nach BfAR-Liste werden jedem Patienten/jeder Patientin schriftlich mitgeteilt.

Aktuell wird eine krankheitsspezifische stationäre Behandlung bei hohen Belastungswerten angeboten. Das Behandlungskonzept beinhaltet neben Psychoedukation, Einzel- und Gruppentherapie auch Physiotherapie. In der Psychotherapie geht es inhaltlich um Krankheitsbewältigung, Energiemanagament und Pacing.

Eine direkte ambulante Behandlung findet im Post-COVID-Zentrum nicht statt. Nach Abschluss der Diagnostik erhalten Patient:innen Empfehlungen für die weitere Versorgung. 

Im Rahmen unserer Forschungsprojekte bieten wir ergänzend Online-Informationsveranstaltungen („Schulungen“) zu verschiedenen Themen rund um Post-COVID an. Informationen zu unserem stationären psychosomatischen Behandlungsangebot finden Sie in der entsprechenden FAQ.

Krankheitsbewältigung (oft „Coping“ genannt) beschreibt alles, was Menschen denken, fühlen und tun, um mit den Belastungen einer langandauernden körperlichen Erkrankung umzugehen – zum Beispiel mit Symptomen wie Fatigue, Schmerzen, Atemnot oder kognitiven Einschränkungen. Dazu gehören sowohl praktische Strategien (z. B. Tagesstrukturierung, Pausenplanung, angepasste Bewegung) als auch emotionale und kognitive Strategien (z. B. Akzeptanz fördern, Sorgen reduzieren, realistische Ziele setzen).

In der Forschung wird häufig zwischen adaptiven (hilfreichen) und weniger hilfreichen Bewältigungsformen unterschieden. Adaptive Strategien helfen, die Erkrankung in den Alltag zu integrieren, Überlastung zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten – etwa durch gezieltes Selbstmanagement, Informationssuche im richtigen Maß, Achtsamkeit und eine flexible Anpassung der Aktivitäten an die aktuelle Leistungsfähigkeit.

Die Krankheitsbewältigung ist in der psychosomatischen Behandlung von Post-COVID ein zentrales Behandlungsziel: Patientinnen und Patienten lernen, ihre Symptome besser zu verstehen, Belastungsgrenzen zu erkennen und hilfreiche Strategien zu entwickeln, um Überlastung und Symptomverschlechterung zu vermeiden.

In einer Studie aus dem Post‑COVID‑Zentrum konnten wir zeigen, dass eine höhere Bewältigungskompetenz, also die Fähigkeit, wirksam mit der Erkrankung umzugehen, mit weniger Fatigue und weniger depressiven Symptomen im weiteren Verlauf verbunden ist (Koller et al., 2025).

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, dass Psychotherapie bei Post-COVID gut durchführbar ist und von den Betroffenen gut angenommen wird (Schurr et al., 2025). Es gab bisher keine Hinweise darauf, dass sich Beschwerden durch die Therapie verschlechtern oder ernsthafte Nebenwirkungen auftreten. Am deutlichsten und häufigsten bessern sich Ängste, Niedergeschlagenheit und die seelische Lebensqualität, und auch beim Denken und der Konzentration zeichnen sich meist Verbesserungen ab. Bei der Erschöpfung (Fatigue) sind die Ergebnisse uneinheitlich: In einigen Studien nahm sie spürbar ab, in einer anderen veränderte sie sich nicht. Psychotherapie ersetzt daher keine Behandlung der körperlichen Post-COVID Symptome, gilt aber als wichtiger Baustein in der Versorgung von Menschen mit Post‑COVID. In einer von uns durchgeführten Studie für unsere stationäre psychosomatisch-psychotherapeutische Behandlung zeigte sich eine Verbesserung der depressiven Beschwerden, der psychischen gesundheitsbezogenen Lebensqualität, des sozialen Funktionierens und der allgemeinen Bewältigungskompetenz (Koller et al., 2026).

Das Ergebnis unserer Befragungen zeigt eine hohe Zufriedenheit mit der Diagnostik am Zentrum. Natürlich bemängeln die Patienten das Fehlen von durchschlagenden medikamentös- therapeutischen Interventionen. 

Eine hohe Zufriedenheit sehen wir bei der stationär psychosomatischen Behandlung. Einen Einblick in die Erfahrungen einzelner Patient:innen gibt ein Beitrag des Franken Fernsehens, in dem die stationäre Behandlung vorgestellt wird und Patient:innen selbst zu Wort kommen.

Zum Beitrag: https://www.frankenfernsehen.tv/mediathek/video/wenn-corona-nicht-vorbei-ist-therapie-bei-post-covid/